"tannöd"

Stadttheater Mödling
Premiere: 7. November 2015

ein Kriminalfall von Andrea Maria Schenkel; Stückfassung von Maya Fanke und Doris Happl
Inszenierung: Rüdiger Hetzschel
Musikalische Einrichtung: Fritz Rainer

 

 

Die Nachkriegszeit, ein alter Bauernhof, mitten im Wald: Tannöd, ein vergessener Winkel im Niemandsland, weitab vom Dorf und den nächsten Nachbarn. Seine Bewohner, die Danners, eigenbrötlerische, mürrische Menschen, die sich außerhalb der Gemeinschaft eingerichtet haben. Doch irgendwann dringt kein Lebenszeichen mehr von Tannöd ins Dorf, nur
der Hund kläfft. Im Heu, im Bett, in der Kammer werden die Leichen der Familie entdeckt: der Bauer, seine verhärmte Frau, die Tochter mit den beiden Kindern, die neue Magd – alle ermordet mit einer Spitzhacke. Vom Mörder fehlt jede Spur. Aber das Verbrechen fungiert als Katalysator, um ein viel tiefer liegendes, verschüttetes Geheimnis der ganzen Dorfgemeinschaft an die Oberfläche zu holen. Es enthüllt tabuisierte, grausame Ereignisse der Vergangenheit, die von den
Dorfbewohnern zwar nicht gewollt, aber geduldet worden sind.
Fast wie ein Oratorium rekonstruiert Andrea Maria Schenkel Blutbad und Familiengeschichte mosaikartig aus ineinander verschnittenen Berichten der Dorfbewohner, inneren Monologen und realistischen Betrachtungen der Geschehnisse. Alle kommen zu Wort, auch der unbekannte Mörder. Die einzelnen Stimmen mischen sich zu einem Chor aus Lebenden und Toten, Schuldigen und Unschuldigen, Tätern und Opfern, wobei eindeutige Zuweisungen im Verlauf der Geschichte immer schwerer fallen. Schenkel zeichnet mit brillanter Sprache präzise die Wirklichkeit nach.
Angeekelt und fasziniert zugleich verfolgen wir die Weltabgewandtheit, Bigotterie und blinde Obrigkeitstreue, die die Figuren deformieren, ihre Lebenswege bestimmen – und zwangsläufig ins Unglück führen.

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